Krebsfrüherkennung

Auch die gesündeste Lebensweise kann nicht garantieren, dass man nicht irgendwann einmal an Krebs erkranken könnte. Über die Gesamtheit der ‚bösartigen Erkrankungen‘ kann man sich vorstellen, dass je früher eine Krebskrankheit dann erkannt und behandelt wird, desto größer sind die Chancen, geheilt zu werden.

Krebsfrüherkennungsuntersuchungen haben genau dieses Ziel: Tumore möglichst in frühen Stadien ihrer Entwicklung aufzuspüren. Frühe Stadien lassen sich nämlich meist erfolgreicher und auch schonender behandeln als späte Stadien, in denen möglicherweise sogar schon Tochtergeschwülste (Metastasen) entstanden sind. Dieses Prinzip leuchtet ein – trotzdem werden Früherkennungsuntersuchungen durchaus kritisch betrachtet, denn sie können auch Nachteile haben. Daher ist es sinnvoll, für jedes Verfahren die Vorteile den Nachteilen gegenüberzustellen und gegeneinander abzuwägen. Am Ende einer solchen Nutzen-Risiko-Abwägung können Sie dann entscheiden, ob Sie an dieser Krebsfrüherkennungsuntersuchung teilnehmen möchten oder nicht.

Diese Nachteile bestehen im Wesentlichen in den Möglichkeiten der „falsch positiven“ Befunde, der „falsch negativen“, und der „Überdiagnose“.
Bei einem ‚falsch-postiven‘ Befund wird eine Untersuchung durchgeführt, die auffällig ist, aber nach weiterer Diagnostik sich als nicht-bösartig, und dann eben als nicht-behandlungsdürftig herausstellt. Damit wäre rückblickend auch die weitere – zum Beispiel durch eine Operation mit entsprechenden Risiken durchgeführte – Diagnostik nicht nötig gewesen. So etwas wird sich nie vermeiden lassen (sonst wäre ein Screening ja auch schon eine definitive Diagnostik), jedoch sollten die Risiken der Folgediagnostik im einem Verhältnis zur Vorhersagesicherheit stehen. Bestünden diese zusätzlichen Untersuchungen in wenig invasiven Methoden ohne wesentliche Komplikationen, so wäre ein höherer Anteil an falsch-positiven Befunden akzeptabel. Wenn z. B. Operationen notwendig werden würden, sollten die falschen Vorbefunde möglichst geringer sein.
Bei ‚falsch-negativen‘ Befunden wiegt man sich in möglicherweise unberechtigter Sicherheit. Eine bösartige Erkrankung liegt vor, wird jedoch durch die verwendete Diagnostik nicht erkannt. Ein Beispiel wäre hier die Bestimmung eines ‚Tumormarkers‘ im Blut: die meisten ‚Marker‘ sind unspezifisch (führen damit auch zu falsch-positiven Befunden) und längst nicht jeder Tumor bildet diese entsprechenden ‚Marker‘.
Können diese Fehlerarten als Parameter eines Testes standardisiert in Zahlen angegeben werden, ist das bei der Gruppe der ‚Überdiagnosen‘ deutlich schwieriger. Hierbei handelt es sich um ‚richtige‘ Befunde, die aber für den individuellen Patienten keine Konsequenzen gehabt hätten, wenn man sie nicht gefunden hätte. Viele Erkrankungen – und eben auch manche bösartige Erkrankungen – führen nicht zu einer Beeinträchtigung der Lebensdauer oder -qualität. Diese aber jetzt in einem Screening zu suchen und zu entdecken führt zu einer unnötigen weiteren Therapie. Das große Problem ist, dass man bei den meisten Arten von bösartigen Tumoren nicht sicher weiss, wie er sich entwickeln wird. Dies wird umso bedeutender, je älter der Patient wird. Es ist möglich, dass man bei besonders guten Screenings schon kleinste Befunde findet, die dann aber bis zum Ableben des Patienten aus ganz anderen Gründen möglicherweise nie bemerkt werden. Da man aber den weiteren Verlauf schlecht vorhersehen kann, bekäme dieser Patient auch eine entsprechende Therapie mit dazugehörigen Nebeneffekten. Ein Dilemma.

Zur individuellen Bewertung sollte man sich folgende Fragen stellen:

  • Wie groß ist mein persönliches Risiko, an dieser Krebsart zu erkranken?
  • Wie oft kommt es vor, dass die Untersuchungsmethode eine bereits
    bestehende Krebserkrankung wirklich erkennt („richtig-positives Ergebnis”)?
  • Wie oft kommt es vor, dass die Untersuchungsmethode eine bereits bestehende Krebserkrankung nicht erkennt („falsch-negatives Ergebnis”)?
  • Wie oft ergibt der Test einen Krebsverdacht, obwohl keine Krebserkrankung vorliegt („falsch-positives Ergebnis”)?
  • Wenn dieser Tumor früh erkannt wird, sind dann die Heilungsaussichten tatsächlich besser, als wenn er später entdeckt würde?
  • Wie viele Teilnehmer an dieser Früherkennungsuntersuchung tragen Schäden durch die Untersuchung davon?
  • Wie bei jeder Früherkennung gibt es das Problem der sogenannten Überdiagnose. Welche Nachteile kann diese mit sich bringen?

Im Bereich der Gynäkologie gibt es zwei etablierte Früherkennungsprogramme, diese betreffen den Brustkrebs und gynäkologische Tumore, insbesondere den Gebärmutterhalskrebs.

  • Mammakarzinom, bestehend aus
    • Ab 30 Jahren jährlich ärztliche Tastuntersuchung
    • Von 50 bis 69 Jahren Mammographie alle zwei Jahre
  • Gynäkologische Tumore, bestehend aus
    • gezielte Anamnese mit Fragen nach Veränderungen und Beschwerden
    • Inspektion des Muttermundes
    • gynäkologische Tastuntersuchung
    • bis 34 Jahren: Einmal im Jahr Abstrichuntersuchung der Portio(PAP-Test)
    • ab 35 Jahren: Alle drei Jahre Ko-Test aus PAP-Test und HPV-Test

Darüberhinaus gehende Untersuchungen müssen individuell nach entsprechender Risikoabwägung und Sicherheitsbedürfnis vereinbart werden.

Weiterführende Literatur:

Informationsblatt Krebsfrüherkennung des Deutschen Krebsforschungsinstitutes

‚Krebsfrüherkennung‘ bei der Deutschen Krebshilfe e. V.

S3-Leitlinie zur Prävention des Zervixkarzinoms

S3-Leitlinie Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms

S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Patientinnen mit Endometriumkarzinom

S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge maligner Ovarialtumoren