Was ist Kontrazeption?
Kontrazeption (Schwangerschaftsverhütung) bezeichnet alle Methoden, die eine ungewollte Schwangerschaft verhindern. Die Wahl der richtigen Methode ist eine sehr persönliche Entscheidung, die von der Lebenssituation, dem Gesundheitszustand, dem Kinderwunsch und den eigenen Präferenzen abhängt. In unserer Praxis beraten wir Sie ausführlich und individuell – denn die eine ideale Methode für alle gibt es nicht.
Die Sicherheit einer Methode wird durch den Pearl-Index angegeben: Er gibt an, wie viele von 100 Frauen bei Anwendung dieser Methode über ein Jahr schwanger werden. Je niedriger der Wert, desto sicherer die Methode.
Hormonelle Verhütungsmethoden
Die Kombinationspille (Pille)
Die Kombinationspille enthält synthetisches Östrogen und Gestagen und verhindert zuverlässig den Eisprung. Sie wird 21–24 Tage eingenommen, gefolgt von einer Einnahmepause oder Placebotagen, in der eine Entzugsblutung einsetzt.
- Pearl-Index: 0,1–0,9 (bei korrekter Anwendung)
- Vorteile: Sehr sicher, regelmäßige und schwächere Regelblutung, Linderung von Dysmenorrhoe und PMS, positive Wirkung bei Akne, Schutz vor Ovarialzysten
- Nachteile/Risiken: Erhöhtes Thromboserisiko (v.a. bei Raucherinnen >35 J.), mögliche Stimmungsschwankungen, Libidoveränderungen; kein STI-Schutz
- Kontraindikationen: Bekannte Thrombophilie, stattgehabte Thrombose/Embolie, Migräne mit Aura, schwere Hypertonie, aktive Lebererkrankung, Rauchen >15 Zig./Tag ab 35 J., Stillzeit (erste 6 Wochen)
Die Minipille (Gestagen-Pille)
Die Minipille enthält nur Gestagen (Levonorgestrel oder Desogestrel) und wirkt hauptsächlich über eine Eindickung des Zervixschleims.
- Pearl-Index: 0,4–3 (Desogestrel-Minipille: ca. 0,4)
- Vorteile: Auch bei Östrogenkontraindikation geeignet; in der Stillzeit anwendbar (ab 6 Wochen pp)
- Nachteile: Unregelmäßige Blutungen, enge Einnahmezeit (3–12 h je nach Präparat)
- Kontraindikationen: Aktives Mammakarzinom, ungeklärte vaginale Blutungen, schwere Lebererkrankung
Das Verhütungspflaster
Das Hormonpflaster wird wöchentlich gewechselt (3 Wochen aktiv, 1 Woche Pause) und gibt Östrogen und Gestagen transdermal ab.
- Pearl-Index: 0,72–0,9
- Vorteile: Wöchentliche Anwendung, kein tägliches Einnahmerisiko
- Nachteile: Hautreizungen, höhere Östrogendosis als Pille; bei Übergewicht ggf. reduzierte Wirksamkeit
- Kontraindikationen: Wie Kombinationspille
Der Verhütungsring (Vaginalring)
Der flexible Kunststoffring wird für 3 Wochen vaginal eingeführt und gibt lokal Östrogen und Gestagen ab.
- Pearl-Index: 0,4–0,65
- Vorteile: Monatliche Handhabung, niedrige Hormondosis
- Nachteile: Kann spürbar sein, Hantierung erfordert Übung
- Kontraindikationen: Wie Kombinationspille, Uterusprolaps
Das Hormonimplantat (Verhütungsstäbchen)
Ein 4 cm langes Stäbchen wird subkutan am Oberarm eingesetzt und gibt kontinuierlich Etonogestrel ab – bis zu 3 Jahre lang.
- Pearl-Index: 0,0–0,08 (höchste Zuverlässigkeit aller reversiblen Methoden)
- Vorteile: Keine tägliche Einnahme, in der Stillzeit geeignet (ab 6 Wochen pp)
- Nachteile: Unregelmäßige Blutungen häufig; kleiner Eingriff zur Insertion/Entfernung
- Kontraindikationen: Aktives Mammakarzinom, schwere Lebererkrankung
Die Hormonspirale
Ein T-förmiges IUD gibt lokal Levonorgestrel ab. Wirkdauer je nach Typ 3–8 Jahre (Mirena®, Kyleena®, Jaydess® u.a.).
- Pearl-Index: 0,1–0,2
- Vorteile: Sehr sicher, reduziert Regelblutung deutlich, hilfreich bei Dysmenorrhoe und Hypermenorrhoe
- Nachteile: Insertionsschmerz, Schmierblutungen in den ersten Monaten
- Kontraindikationen: Uterusanomalie, aktive Beckeninfektion, aktives Mammakarzinom
Die Dreimonatsspritze (Depot-Spritze)
Medroxyprogesteronacetat wird alle 12 Wochen injiziert.
- Pearl-Index: 0,2–1
- Vorteile: Keine tägliche Einnahme, in der Stillzeit geeignet
- Nachteile: Verzögerte Rückkehr der Fertilität (bis 12 Monate), mögliche Gewichtszunahme, Knochendichtereduktion bei Langzeitanwendung
- Kontraindikationen: Aktives Mammakarzinom, Osteoporose, schwere Lebererkrankung
Nicht-hormonelle Methoden
Kupferspirale (IUP)
Ein T-förmiges Kupfer-IUD hemmt die Spermienmotilität. Wirkdauer 5–10 Jahre je nach Typ.
- Pearl-Index: 0,3–0,8
- Vorteile: Hormonfrei, Langzeitschutz, auch als Notfallverhütung geeignet (bis 5 Tage nach GV)
- Nachteile: Stärkere, schmerzhafte Regelblutungen; sehr selten Perforation oder Expulsion
- Kontraindikationen: Uterusanomalie, aktive Beckeninfektion, Kupferallergie, Morbus Wilson
Kupferkette (GyneFix®)
Kupferhülsen auf einem Faden werden im Myometrium verankert – auch für Nulliparae und kleine Uteri geeignet.
- Pearl-Index: 0,1–1
- Vorteile: Hormonfrei, formflexibel, bis zu 5 Jahre Wirkdauer
- Nachteile: Speziell qualifizierter Arzt zur Insertion erforderlich
- Kontraindikationen: Wie Kupferspirale
Das Kondom
Das einzige Verhütungsmittel mit gleichzeitigem STI-Schutz.
- Pearl-Index: 2–12 (stark anwendungsabhängig)
- Vorteile: Rezeptfrei, STI-Schutz, keine Hormonwirkung
- Nachteile: Anwendungsfehler häufig, Latexallergie möglich (dann: Polyurethan)
Diaphragma und Verhütungskappe
Barrieremethoden, die vor der Portio platziert werden – idealerweise in Kombination mit Spermizid.
- Pearl-Index: 1–20
- Vorteile: Hormonfrei, wiederverwendbar
- Nachteile: Anpassung beim Arzt erforderlich, muss 6 Std. nach GV verbleiben
Natürliche Familienplanung (NFP)
Symptothermale Methode
Kombination aus täglicher Basaltemperaturmessung und Beurteilung des Zervixschleims (z.B. Sensiplan®).
- Pearl-Index: 0,4–2 (korrekte Anwendung), 6–12 (typische Anwendung)
- Vorteile: Hormonfrei, fördert Körperkenntnis, kostengünstig, auch für Kinderwunschplanung geeignet
- Nachteile: Erfordert Schulung und Disziplin; bei Schichtarbeit/Erkrankung weniger zuverlässig
Sterilisation
Tubenligatur (Frau)
- Pearl-Index: 0,1–0,5
- Vorteile: Dauerhaft, hormonfrei
- Nachteile: Operationsrisiken, Refertilisierung schwierig und unsicher
Vasektomie (Mann)
- Pearl-Index: 0,1
- Vorteile: Sehr sicher, ambulanter Eingriff in Lokalanästhesie
- Nachteile: Als dauerhaft zu betrachten
Notfallverhütung
Pille danach
Levonorgestrel (bis 72 Stunden nach GV) oder Ulipristalacetat (bis 120 Stunden) – je früher, desto wirksamer. Bei Körpergewicht >75 kg ist Ulipristalacetat vorzuziehen.
Spirale danach (Kupfer-IUD)
Wirksamste Notfallverhütung (>99%), Einlage bis 5 Tage nach GV oder Eisprung möglich. Gleichzeitig dauerhafter Langzeitschutz.
Verhütung in besonderen Situationen
Nach der Geburt / Stillzeit
Geeignet: Minipille (ab 6 Wochen pp), Implantat (ab 6 Wochen pp), Kupfer- oder Hormonspirale (ab 4 Wochen pp), Kondom. Die Kombinationspille ist in den ersten 6 Wochen und während der Stillzeit nicht empfohlen.
Perimenopause / Wechseljahre
Verhütung ist bis 12 Monate nach der letzten Menstruation erforderlich (bei Frauen unter 50 J.: 24 Monate). Geeignet: Minipille, Kupfer- oder Hormonspirale, Kondom.
Jugendliche
Bis zum 22. Lebensjahr übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für verschreibungspflichtige Verhütungsmittel. Spirale (Kupfer oder Hormon) ist auch für Nulliparae geeignet und sicher.
Quellen: pro familia – Deutsche Gesellschaft für Familienplanung (profamilia.de); Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit / BZgA – familienplanung.de (familienplanung.de); DGGG S3-Leitlinie Hormonelle Empfängnisverhütung, AWMF-Nr. 015-015.